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Studienfahrt Rom

Impressionen zum Besuch der Vatikanischen Museen

Donnerstag, 9. September 2016, 16:00 Uhr. Die Schüler befinden sich in einem schwer beschreibbaren seelischen Zustand. Dieser resultiert sowohl aus der aktuellen Situation als auch aus den bereits vergangenen Ereignissen dieses Tages und definiert sich wie folgt: (I) Es herrscht eine leicht melancholische Stimmung. Sie ist der Tatsache geschuldet, dass man gerade den letzten Abend in der Ewigen Stadt verbringt. Außerdem ist man (II) voll Vorfreude, bald wieder in der Heimat bei seinen Liebsten zu sein. Jedoch sollte man nicht verachten, dass (III) die Schüler trotz einer längeren Pause noch immer erstaunt, teilweise fassungslos die monumentale Größe des Domes San Pietro bewundern. Überschattet wird dieses Gefühlsgemisch schließlich (IV) vom massiven Drange, den noch ausstehenden Nachtschlaf der letzten Tage nachzuholen. Unter diesen Voraussetzungen tritt man nun hochinteressiert in den künstlerisch-theologisch-historischen Höhepunkt der Reise, die Vatikanischen Museen ein.

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Am Eingange übergaben wir unsere Taschen in die Obhut der überaus tugendhaften Männer aus der hiesigen Polizei. Geistesabwesend nahm ich die Pfandscheine für die Taschen entgegen, steckte sie ein und schritt der Klasse nach durch das Foyer. Endlich im Museum waren wir versucht, Gruppen zu bilden, in denen wir das Museum durchlaufen würden. Dieser Prozess gestaltete sich vollends nach unserem Gefühle der zusammenwirkenden Großartigkeit und der schlaflosen Zerstreuung: Wir gruppierten uns nach den favorisierten Museumsabschnitten und zerfielen dann wieder in Grüppchen mit persönlicher Präferenz, um uns dann wieder in ersteren Konstellationen anzusammeln. Schließlich mussten wir einsehen, dass es kaum zwei Schüler gab, die dieselben Interessenlagen vereinten. Wir wählten also doch wieder die allzu typischen Zusammenstellungen. Welch ein Schauspiel.

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Nun konnten wir endlich starten. Wir gingen durch den Hof hinein in das Museo Pio Clementino wo die ersten wunderbaren Statuen zu finden waren – und die Gedanken an das hier und jetzt erstickten, wie bei Laokoon und dessen Söhne im Kampf mit zwei Seeschlangen, die Apollo ausgeschickte. Laokoon hatte versucht, die Trojaner davon abzuhalten, die Klappe des hölzernen Pferdes zu öffnen: „Hütet euch vor den Griechen, die Geschenke bringen.“  Während ich so zwischen Nymphen und Kroniden durch die Hallen flanierte und hier und da den Geschichten der Touristenführer lauschte, musste ich doch bald konstatieren: Ich war allein. Die zu Anfang mühsam gebildeten Gruppen hatten sich derart in die Länge gezogen, dass man wohl durch ganz Rom hätte laufen müssen, um sie wieder zusammenzusuchen. „Nun gut!“, dachte ich „dann geht’s eben allein weiter“, und wendete mich einer riesigen granitenen Badewanne zu. Doch plötzlich tauchte ein süßes, rundliches Gesicht vor mir auf, das mir irgendwoher bekannt vorkam. „Ach ja, unsere Gruppe“, schoss es mir. Da hob es zu sprechen an: „Du hast noch den Pfandschein für meine Tasche“ und hielt die Hand auf. „Ja, ich weiß leider nicht mehr, welcher Schein zu welcher Tasche gehört“, sagte ich und zog die Scheine hervor. „Der da ist meiner“, sprach sie und zeigte auf einen der beiden. „Woher...?“ ‚“Ich weiß es, gib ihn mir.“ Es war Isaaks Segnung des Erstgeborenen, man spricht sie zwar in eigener Verantwortung, jedoch über das, was einem vorgesetzt wird, weil man selbst mit Blindheit geschlagen ist.
Ich wandelte also weiter durch den Kartengang. Die Janusköpfe, die diesen Gang zieren, haben für die meisten Touristen außerordentliche Symbolkraft. Denn sie befinden sich oft schon seit Stunden in diesem Museum, da sie sich zu Anfang alles ganz genau angeschaut haben, und sehnen sich nun nach einem Ende. Typischerweise realisieren sie in diesem Gange, dass dieses Ende noch fern ist. Janus, Janus...
Einige Zimmer (mehrere hundert Meter) weiter erreichte ich dann endlich das erste Highlight: die erste Stanza des Raffaello Sanzio da Urbino. Wahrscheinlich hätte ich dort zwischen den Philosophen, den Theologen, den Dichtern und Tugenden noch eine ganze Weile länger zugebracht, wenn ich nicht bei der Betrachtung der Allegorie der Mäßigung von einem jener allzu tugendhaften Männer der Polizei gestört worden wäre...

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Donnerstag, 9. September 2016, 17:40 Uhr. Die Stanzen des Raffael müssen geräumt werden, da die Herren Polizisten pünktlich 18:00 Uhr in den tariflich zugesicherten Feierabend gehen. Der Weg zum Ausgang verläuft über folgende Stationen: (I) Die Treppe herunter in die Sixtinische Kapelle. Wenn sich die noch Anwesenden sofort in Bewegung setzen – und dazu sind sie unbedingt angehalten – haben sie dort noch genau 10 Minuten, um die wichtigsten Kapitel der Bibel von der Schöpfung bis zum Jüngsten Gerichte in Bildform zu bestaunen. Der Weg zum Ausgang führt nun weiter durch (II) schier endlose Gänge, in denen sich neben den päpstlichen Astronomiegeräten eine Karte mit der Eignung zur Beilegung territorialer Streitigkeiten zwischen Spanien und Portugal in Südamerika befindet. Nun muss man noch (III) kilometerlange Verkaufstheken passieren, (IV) eine nicht behindertengerechte Schräge herabgehen und sich (V) an der Garderobe mit dem verbliebenen Pfandschein die richtige Tasche abholen.

Sebastian Schramm
Schüler der JgSt 13

 

 

 

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